Selbst kneten oder kneten lassen? - Meine Erfahrungen mit Brotbackautomaten

Ich habe viel probiert, experimentiert, Zutaten getauscht, angepasst, Brotbackautomaten kamen und gingen. Ich musste Niederlagen hinnehmen, Brote wegwerfen, Geschmackstests durchlaufen und umdenken.  
Nein, ich bin in meiner privaten Küche gar kein Technikfan. Da mache ich lieber alles was irgendwie möglich ist per Hand. Ich habe keine Küchenmaschine Super Deluxe 2000 XXL, sondern nur einen kleinen Pürierstab und einen Handmixer. Ich schneide mein Brot mit einem Brotmesser und ich besitze auch keinen Brotbackautomaten. Auch eine Mikrowelle und schon gar kein Mix-Pürier-Knet-Häcksel-Koch-Dampfgar-Marmeladenmach-Super-Zeitspar-Apparat kommt mir ins Haus. Ich bin, was die Küche angeht, extrem und vehement altmodisch. Meine Einstellung zum Essen und dessen Zubereitung ist emotional bis sentimental und braucht deswegen viel Zuwendung. Wie sollte das mit Technik und per Knopfdruck machbar sein?  
Bei der Arbeit muss ich allerdings etwas umdenken. Da ist mehr Effizienz gefordert, d. h. es muss schnell gehen und trotzdem schmecken. Und eins bin ich auf jeden Fall: Immer offen und bereit für Neues. 

Brot

Ran an die Technik

 
Also machte ich mich vor einiger Zeit mit dem Backen von Broten in einem eigens dafür hergestellten Automaten vertraut. Und da ich nun einige von ihnen kommen und gehen sehen und testen durfte, traue ich mich folgendes zu sagen: Die Marke und Preisklasse ist dabei relativ unwichtig. Klar sollte es nicht ein 20 Euro Schnäppchen sein, aber am Ende verfügen doch alle Geräte über ähnliche Programme und Einstellungen. Sogar die beigefügten Rezeptvorschläge ähneln sich stark. 
Ich muss und werde hier also keine Gerätenamen nennen. Wenn du Rezepte von mir nachbacken willst, gehe ich einfach davon aus, dass du weißt, wie dein Brotbackautomat tickt. 
Mein Ergebnis zur Frage "Selbst kneten oder kneten lassen?" stelle ich gleich vorweg: Beides hat seine Berechtigung und kann zu leckeren Broten führen. 
 
Brot

Erstmal ganz altmodisch

 
Reden wir zunächst über die Kategorie: Mit Hand und Zuwendung geknetet schmeckt's besser. 
Weiß- und Toastbrot wird einfach nicht das Wahre im Automaten. Trotz identischer Zutaten und auch nicht mit Anpassung derer gelingt es mir, einem Automaten leckeres, weiches, luftiges, saftiges Weißbrot zu entlocken. Es kommt immer wieder großporiges, festes Brot mit harter Kruste heraus. Ich habe es mit mehr Milch probiert, habe die Hefemenge variiert und mit mehr Butter gearbeitet, aber nichts half. Auch längere oder kürzere Backprogramme brachten keine Veränderung. (PS: Ich bin für jeden Tipp sehr dankbar. Wenn du also weißt, wie man auch im Brotbackautomaten fluffiges Weißbrot zaubert, freue ich mich über eine Nachricht von dir.)
Darum backe ich Weiß- und Toastbrot nur noch per Hand oder behelfe mir zur Not beim Bäcker meines Vertrauens. Auch das muss man als leidenschaftliche Küchenfee manchmal können: Anderen zugestehen, dass sie es einfach besser machen. 

Nichtsdestotrotz ist das hier ein gelingsicheres Rezept für ein herrlich weiches Weißbrot :

  • 500 g Dinkelmehl
  • 30 - 40 g Butter
  • 1 Stück frische Hefe
  • 1 Prise Salz
  • 1 EL Zucker
  • 300 ml lauwarme Milch
  1. Gebe das Mehl in eine ausreichend große Schüssel, in welcher der Teig Platz hat sich ordentlich zu entwickeln. Bilde mit einem Löffel eine Mulde in der Mitte des Mehls und zerbröckele dort hinein die frische Hefe. Gib ca. 2/3 der lauwarmen Milch hinüber und bestäube das Ganze leicht mit Mehl, so dass die Oberfläche der Milch leicht mit Mehl abgedeckt ist. Lass das Ganze nun abgedeckt mit einem Tuch 20 Minuten gehen.
  2. Dann gibst du Salz und Zucker hinzu und setzt die Butter in kleinen Flöckchen auf den Mehlrand. 
  3. Verrühre mit einem Löffel nach und nach immer mehr Mehl vom Rand mit dem Milch-Hefe-Gemisch, bis die Mischung zäh wird. Jetzt kannst du mit den Händen weiter kneten. Wenn der Teig zu fest ist und sich nicht eine homogene Masse bildet, gib noch etwas Milch hinzu. Knete solange weiter, bis sich eine Teigkugel formt, welche nicht an den Händen oder am Schüsselrand klebt. Die entstandene Kugel knetest du auch noch ca. 3 Minuten durch. Jetzt wird der Teig abgedeckt wieder ca. 30 Minuten in Ruhe gelassen.
  4. An einem warmen Ort (z. B. auf der Heizung oder im 30 Grad warmen Backofen) muss der Teig nun gehen. Wenn er ungefähr das doppelte seiner vorherigen Größe erreicht hat, kannst du ihn noch einmal kräftig durchnkneten und wieder für ca. 30 Minuten gehen lassen.
  5. Fette inzwischen eine Kastenform mittlerer Größe ein und bestäube sie mit Mehl.
  6. Knete den Teig kurz durch und gib ihn in die Kastenform. Lasse ihn hier wieder gehen, bis er ca. um ein Drittel gewachsen ist.
  7. Heize derweil den Backofen auf 180 Grad Umluft oder 200 Grad Ober-/Unterhitze vor.
  8. Gib die Kastenform in den Backofen und backe das Weißbrot für 25 -40 Minuten. Nach ungefähr 20 Minuten solltest du ab und an in den Backofen schauen. Wenn das Brot zu braun wird, drehe die Temperatur etwas runter oder decke die Form mit etwas Alufolie ab.
  9. Wenn die Oberfläche sich beim darauf klopfen leicht hohl anfühlt und etwas nachgibt, kannst du das Brot aus dem Ofen nehmen.
  10. Lasse es einige Minuten in der Form abkühlen und versuche es dann mit leichtem Klopfen aus der umgedrehten Form zu stülpen, damit es vollständig abkühlen kann.
Küche damals
 
Ganz wichtig ist bei der Zubereitung frische Hefe zu verwenden und die Geh- und Knetzeiten genau einzuhalten. Ein guter Hefeteig braucht einfach Zeit und Zuwendung. Und das intensive Kneten bringt Luft in den Teig, welche später die weiche Feinporigkeit des Brotes erzeugt.

Ein tolles Toastbrot, dessen Konsistenz sehr gut für den Toaster geeignet ist, zauberst du nach dem gleichen Rezept. Nur dass du die Milch durch Wasser ersetzt und nur eine kleine Prise Zucker verwendest.

Getoastet oder nicht - nur mit Butter bestrichen schmeckt es am besten. 
 
Brot

Die Technik übernimmt die Arbeit

 
Nun zur Kategorie: Bequem und dennoch lecker aus dem Brotbackautomaten.

Auch hier habe ich viel probiert und bin letzten Endes bei zwei Brotvarianten gelandet, die immer gern gegessen werden. Die erste Variante ist ein ganz klassisches Mischbrot mit Dinkel- und Roggenmehl nach folgendem Rezept:

  • 360 ml Wasser
  • 1 Tüte Natursauerteig (150 g)
  • 1 Tüte Trockenhefe
  • 1-2 TL Kräutersalz (oder normales Salz)
  • 3 EL Rapsöl
  • 1 TL Ahornsirup
  • 360 g Dinkelmehl
  • 360 g Roggenmehl

 

  • Alle Zutaten in den Brotbackautomaten geben und in der Basiseinstellung für ein Brot bis 1 kg backen lassen.
 
Durch etwas Öl und Kräutersalz verfeinert wird das Brot saftiger und kräftiger im Geschmack. Klassische Brotgewürze kommen bei den Kindern hingegen nicht gut an. Außerdem eignet sich das Brot so perfekt für herzhafte als auch süße Aufstriche. 

Das zweite Brotrezept ist etwas raffinierter und ergibt ein tolles saftiges Haferflockenbrot mit würzig, leicht nussigem Geschmack:

  • 370 ml Wasser
  • 1 Tüte Natursauerteig (150 g)
  • 1 Tüte Trockenhefe
  • 2 TL Salz
  • 2 TL Ahornsirup
  • 5 TL Rapsöl
  • 250 g Dinkelmehl
  • 100 g Roggenschrot
  • 150 g zarte Haferflocken
  • 25 g Hirse
  • 25 g Quinoa

 

  • Alle Zutaten in den Brotbackautomaten geben und in der Einstellung Vollkorn für ein Brot bis 1 kg backen lassen.
Es schmeckt besonders gut nur mit Butter oder purem Frischkäse bestrichen und mit herzhaftem Belag. 
 
Brot

Wo Brot, keine Not

 
Einen großen Vorteil haben Brotbackautomaten: Beim Backen mit Sauerteig bleiben die Hände sauber. Wer schon Rezepte mit Sauerteig per Hand zubereitet hat, weiß, wovon ich rede. 
Mein Fazit lautet also: Wer keine Zeit hat, selbst zu kneten und zu warten, kann immer mit einem Brotbackautomaten ein Brot nebenher backen. Aber wenn du ein möglichst perfektes und leckeres Ergebnis haben möchtest, solltest du immer beide Varianten ausprobieren um zu sehen, wann das bessere Brot dabei herauskommt. 
 
Guten Appetit wünscht
Dein Querk(n)opf!