Unentschlossenheit - Wie entscheide ich mich richtig und endgültig

 
Kennst Du das auch? Du bist voller Tatendrang, Deine Motivation stimmt, Du hast sogar genug Zeit um die Dinge anzupacken und alles ist bereit um loszulegen. Doch kaum, dass Du mit Deiner neuen Aufgabe beginnst, gerätst Du ins Stocken. Plötzlich stehst Du vor der ersten - und sei es auch noch so kleinen - Entscheidung und schon hast Du die Qual der Wahl. Es ist ja gar nicht immer so. Aber es gibt so Tage und Angelegenheiten, da kann man sich einfach nicht entscheiden.
 

Die Qual der Wahl - Die Unentschlossenheit schlägt in allen Lebenslagen zu

 

Einmal noch die Farbe wechsethemes-testln

 
In meinem ersten Blogartikel hatte ich Dir bereits angedeutet, wie schwer und langwierig der Prozess meiner Blogentstehung war. Ich sah mich mit tausend großen, kleinen, bedeutenden und nebensächlichen Entscheidungen konfrontriert. Wenn ich allein daran zurück denke, wieviele Themes ich ansah, installierte, einbettete, Styles anpasste, Farbschemen neu definierte, mit Schriftarten experimentierte, Slideshows hinzufügte, all dies wieder verwarf... Und wie oft sich dieses Spiel wiederholte...
Mir wird jetzt noch ganz schwindelig bei der Erinnerung. Selten war ich so unentschlossen.
 
 

Näh' mal wieder

 
Oder ein anderes Beispiel: Mein Bauch sagt: Heute ist mir nach nähen! Das sagt er ziemlich oft und sofort kribbelt es in den Fingern. Wenn keine konkrete Anfrage oder eine Auftragsarbeit vorliegt, darf ich frei wählen. 
Also startet das Gedankenkarussell: Was könnte ich nähen? Für wen? Ein größeres Projekt oder lieber eine schnelle Kleinigkeit? Nach Schnittmuster? Vorlage? Oder doch freestyle? Welche Stoffe habe ich? Neu kaufen? Wenn ja, wo? Und wieviel? Gleich auf Vorrat? Reststücke? Sparsam kaufen? Oder doch etwas exklusiver? Stunden in Läden, Onlineshops, auf Märkten, Stoffe streicheln, Preise pro Meter vergleichen, Sterne, Blumen, Streifen, Jersey, Sweat, Popelingedankenkarusselle, Feinripp, Grobstrick... 
 
Ich weiß nicht, wie oft es mir schon so erging. Aber so manches Mal verschwendete ich bei all den Vorüberlegungen soviel Zeit, dass ich nicht mehr zur eigentlichen Näharbeit kam, den Gedanken daran verwarf und wenige Tage später das Karussell von neuem startete. 
 
 
 
 

 

Pinterest

 

Aus aktuellem Anlass

 
Ungefähr an diesem Punkt stehe ich auch heute wieder. An der Goethe-Grundschule Kremmen leite ich in ehrenamtlicher Tätigkeit eine Handarbeits AG. Eine Aufgabe, die mir tatsächlich unheimlich viel Freude und Vergnügen bereitet, trotz und vielleicht auch gerade wegen der Herausforderung, die aufgeweckten Teilnehmer und Teilnehmerinnen im besten Grundschulalter zu begeistern, aber gleichzeitig im Zaum zu halten.
schulkinder
 
Um nun die Begeisterung in jeder Stunde neu zu entfachen, lasse ich meinen Gedanken im Vorfeld freien Lauf und überlege mir, was die Juniordesigner fesseln könnte und auch umsetzbar ist. Ich wälze meine Schnittmusterzeitungen, Handarbeitsbücher und Bastelanleitungen. Ich durchforste Handarbeitsblogs, Pinterestanzeigen und lasse die Suchmaschinen heiß laufen. Ich habe so unendlich viele Ideen im Kopf und gesehen... Soviele Stunden pro Woche könnten wir die AG gar nicht stattfinden lassen.
Für diese Woche habe ich mich entschieden mutig zu sein und die Gruppe der 8-11 jährigen an meine Nähmaschinen zu lassen. Es soll ein Huhn in dieser Art entstehen, nur eben mit Stoff und genäht.
Und wie jedes Mal hoffe ich, das passende Projekt gefunden zu haben. Eins, das die Kinder optisch anspricht und für sie selbständig umsetzbar ist.
 

 

Ängste und Ansprüche - Gründe für Unentschlossenheit

 
Womit ich schon bei den Gründen für meine individuelle und die allgemeine Unentschlossenheit angekommen bin. Denn an jeder Entscheidung hängen Hoffnungen und Ängste.
Zu allererst sorgt in oben genanntem Beispiel meine Angst, am Geschmack und an den Interessen der teilnehmenden Kinder vorbei zu treffen, dafür, dass ich immer wieder drauf und dran bin, mich umzuentscheiden. Die Angst vor der Meinung anderer sorgt (viel zu) oft dafür, dass wir uns nicht trauen, eine endgültige Entscheidung zu treffen.
 
Unentschlossenheit ist für die Seele, was die Folter für den Körper ist. (Nicolas Chamfort)
 
Damit einher geht sofort die Angst, die falsche Entscheidung zu fällen. Was ist, wenn...? Diese Frage stellen wir uns dann.
 
Was ist, wenn Hühner momentan out sind?
Was ist, wenn den kleinen Handarbeitern dieses Projekt noch zu schwer erscheint?
Was, wenn sie sowieso einen schlechten Tag vorher hatten und zu gar nichts Lust?
 
Während ich mir all diese Fragen stelle, strebe ich eigentlich nur nach einem - nach Perfektion. Das ist dann der Anspruch, der mir inne wohnt. Alles soll perfekt geplant sein, perfekt passen, perfekt laufen. Da ist es logisch, dass jede Menge Fragen vorher beantwortet werden wollen.
Vorher zu überlegen ist natürlich extrem wichtig. Gerade bei größeren Projekten, die viele andere Personen betreffen, muss man gründlich durchdenken. Aber was ist, wenn das Gedankenkarussell kein Ende nimmt?
 

Auswege - Entscheidungen treffen und dabei bleiben

 
  1. Mit Humor geht alles Besser. Als erstes frage ich mich dann laut: "Warum kannst Du Dich schon wieder nicht entscheiden, Du Querkopf?!?" Das nimmt etwas den Druck aus der Situation, denn es schwingt jede Menge Selbstironie mit. 
  2. Fange am besten klein an. Mir hilft es in den meisten Fällen, zuerst zu schauen, wo ich kleine Entscheidungen fällen kann. Was sieht nicht sofort jeder, muss aber dennoch erledigt werden.
  3. Schließe Kompromisse mit Dir selbst. Ich sage mir immer wieder: "Keiner ist perfekt. Alle machen Fehler und Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut." Lieber entscheide ich mich jetzt für etwas. Auch wenn die Entscheidung in dem Moment endgültig ist, ergeben sich oft später Gelegenheiten noch das ein oder andere zu verbessern.
  4. Beziehe Außenstehende in Deine Entscheidung ein. Je nach Situation hilft es oft, die Meinung Unbeteiligter zu hören. Sie sind objektiver und steuern ganz neue Aspekte bei.
  5. Denke an den Worst Case. Ich spiele gedanklich durch, was im schlimmsten Fall passieren könnte, wenn meine schwer getroffene Entscheidung doch nicht die richtige war. Bislang kam darin nie der Weltuntergang vor, also war alles im grünen Bereich.
  6. Gib' Entscheidungen öffentlich bekannt. Wenn Du Dich doch endlich entschließen konntest, teile es möglichst vielen Leuten mit. So besteht nicht die Gefahr, schwach zu werden und Dich umzuentscheiden. Denn...
  7. Verwirf sofort alle Alternativen, wenn Deine Entscheidung feststeht. Sonst fängst Du wieder ganz von vorn an.
 

Notfalltipps - Aktive Entscheidungshilfen

 
In sehr verzwickten Situationen hilft mir oft der ein oder andere Trick mich zu entscheiden:
 
laufen-denken
 
  • dunkel und geräuschlos - Ich versuche ein stilles Zimmer zu finden, schließe Fenster und Türen, Licht aus und lausche in die Leere. Wenn alle äußeren Reize verstimmen, kann der Kopf klarer und fokussierter denken.
  • steh' auf und lauf - Bewegung hilft immer den Kopf frei zu bekommen. Außerdem entsteht dadurch ein Perspektivwechsel.
  • sportlich werden - Mir hilft es manchmal, alles liegen zu lassen und mich auf die Yogamatte zu begeben. Kaum etwas befreit so sehr den Geist und lässt neue Kreativität entstehen wie einige ruhig ausgeführte Sonnengrüße oder sanfte Flows. Vielleicht hast Du ja einen anderen Sport, der Dich kreativ beflügelt.
  • mit Musik geht alles besser - Ich gestehe, ich liebe das Werk von Johann Sebastian Bach. Aber Du hast sicher auch bestimmte Musikstücke odaufwachener -richtungen, bei denen Du gut abschalten und auftanken kannst.
  • volle Blase - Ja, das hört sich seltsam an. Ich selbst habe es noch nicht ausprobiert, aber laut karrierebibel.de entscheidet man sich schneller, wenn man ein dringendes Bedürfnis verspürt.
  • drüber schlafen - Ich habe viel zu oft Schlafmangel. Und gerade wenn große Entscheidungen anstehen, versuche ich wirklich auszuschlafen. Dann bin ich morgens voller Taten- und Entscheidungsdrang.
 
 

 

Glücklich entschlossen

 
Bislang fiel immer eine Entscheidung - mal früher und auch mal später. Das Blogdesign steht. Ich nähe und nähe und nähe. Und in der AG konnte ich auch in jeder Stunde die Teilnehmer mit neuen Projekten begeistern. Nach fast jeder Entscheidung merke ich doch, dass sie eigentlich gar nicht so wichtig war. Denn das Leben läuft immer weiter und das würde es sicher auch tun, hätte ich mich anders entschieden.
Also entschließ' Dich einfach! Oder wovor hast Du Angst?
 
Euer Querk(n)opf
 

Kommentare

LiterARTure (nicht überprüft)

Hey,
das Gefühl kenne ich gut.
Vo allem bei längeren Projekten bin ich im aktuellen Moment total überzeugt, dann allerdings kommen Zweifel und so werfe ich immer wieder alles über den Haufen, mit dem Resultat, dass kaum etwas jemals fertig wird.

"Auch der weiteste Weg beginnt mit dem ersten Schritt"
- Konfuzius
"Es ist nicht wichtig, wie langsam du gehst, sofern du nicht stehen bleibst."
- Konfuzius

Grüße

quermin

Was Du mit den längeren Projekten beschreibst, kenne ich auch zu gut. Oft sind mir spontane Entscheidungen und Durchführungen lieber - dann ist das wenigstens erledigt. Ganz egal, welches Ergebnis dabei heraus kommt.

Aber diese langfristigen Dinge, die einen lange im Leben begleiten, sehen oft jeden Tag irgendwie anders aus. Da ist man als Mensch doch sehr stark stimmungsabhängig. Aber neue Blickwinkel bringen mich auch oft voran.

Wir packen alles!

Danke für Deinen Besuch und den netten Kommentar!

Dein Querk(n)opf