Eine Radtour die ist lustig...

20 Kilometer... Eigentlich eine ganz unauffällige, überschaubare Zahl. Mit dem Auto hat man die auch ruckzuck in 20 Minuten hinter sich gebracht. Fahre ich allein mit dem Rad, schaffe ich das; je nach Tagesform; in 40-50 Minuten. Nun kommen aber erschwerende Rahmenbedingungen hinzu...

Radtour

Das Wetter ruft auf die Piste

Ich bin weder blauäugig, noch blond oder blöd. Na gut, vielleicht ein bisschen blond, aber das ist ja nicht meine Schuld und tut hier auch gar nichts zur Sache. Was ich eigentlich sagen will, ist, dass ich meine Pappenheimer - in diesem Fall meine jüngste Sportskanone - kenne und weiß, mit der richtigen Vorbereitung, können wir alles schaffen. Und wenn sie nun doch schon sooooooooooooooooooooo lange mit dem Rad zur Oma fahren will...

Radtour

Aber von vorn: Besagte Oma wohnt (oben erwähnte) 20 Kilometer von uns entfernt. Wir wohnen im schönsten Bundesland Deutschlands - in Brandenburg. Um noch genauer zu werden, im Nordwesten Berlins, welcher ein sehr gut erschlossenes und reizvolles Radwegenetz hat. Es ist noch ausbaufähig, aber doch gerade mit Kindern für Ausflüge perfekt nutzbar. Und nun fährt das Kind seit seinem 2. Lebensjahr Fahrrad, seit dem 3. ohne Stützräder und seit diesem Frühjahr jetzt mit dem Große-Schwester-Rad. Sie sucht halt die Herausforderung, sie ist sportlich, sie liebt; wie die Mama; das Radfahren... Was soll ich da machen??? So meinem Ego geschmeichelt, kann ich natürlich irgendwann nicht mehr Nein sagen und willige ein. Ich hatte zwar gesagt, wir machen zu Trainingszwecken erst kürzere Ausflüge. Aber die 5 Abstecher zu den umliegenden Dorfspielplätzen waren Training genug für sie. Sie ist bereit für die Königsdisziplin.

Radtour

Schließlich ist der Frühling mit aller sonnigen und warmen Macht eingebrochen und "Mama, du hast doch gesagt, wenn schönes Wetter ist, fahren wir mit dem Fahrrad zu Oma!". Ja, sowas habe ich gesagt. Da herrschten noch arktische Temperaturen und grau war die vorherrschende Tageslichtfarbe. Sprich: Da hatte ich noch verdrängt, dass es auch schöne Jahreszeiten geben kann.

Aber ich will nicht meckern. Ich bin ja unendlich froh und dankbar über jeden Sonnenstrahl und mir machen höhere Temperaturen auch nichts aus. Und mich drängt es ja auch nach draußen.

Mit guter Planung entspannt unterwegs

"Bis zur Oma ist es aber ganz schön weit, das weißt du."

"Ja, aber ich schaffe das."

"Das ist nicht wie mit dem Auto. Mit dem Fahrrad dauert es viel länger."

"Ja, aber ich will mit dem Fahrrad zur Oma fahren!"

"Ich kann dein Rad dann nicht tragen. Du musst immer weiter fahren."

"Ja, aber..."

Wer braucht schon Argumente, wenn er einen starken Willen hat... Sie will es, sie schafft es!

Ich weiß es besser, ich plane. Nun hatten wir in letzter Zeit so viele lange Wochenenden, die waren perfekt für Harakiriaktionen geeignet. Wenn man nur einen Samstag und einen Sonntag hat, sind solche Abenteuer immer grenzwertig. Denn der normale Alltag und Haushalt läuft ja trotzdem nebenher. Und wie in einem früherem Post erwähnt: Woher Zeit nehmen und nicht stehlen... Aber wenn dann der Montag auch noch frei ist, sieht die Sache schon anders aus. Also instruiere ich den Papa, denn einer muss das Juniorrad ja einsammeln, für den natürlich total unwahrscheinlichen Fall, dass sie doch nicht mehr weiter kann. Rucksäcke werden gepackt, Verpflegung für drei Wochen für unsere Zwischenstops zusammen gesucht und kräftig Luft aufgepumpt. Wozu ich denn bitte ihren alten Fahrradsitz anbaue? Sie fährt doch schließlich selbst! *zwinkerzwinker*

Die Tour der Leiden

Und schon geht es los. Wir düsen davon. Wir rasen förmlich. Die Straße bzw. der Radweg gleitet unter uns dahin. Schon sind wir drei Ecken weit gekommen. Und so kann es weiter gehen. Doch, Halt! Die Sonnebrille stört. Also absteigen und absetzen. Jetzt aber weiter. Eigentlich sind wir ja schon fast da. Wenn bloß diese Haare nicht wären. Immer weht der frische Fahrtwind sie ins Gesicht, besonders in den Mund. Also nochmal Halt - weg damit.

Würde ich jetzt hier jeden weiteren kleinen Zwischenstop aufzählen, wäre mein Bericht dreimal so lang wie unsere Abenteuerreise. Ich beschränke mich darum ab nun auf die wichtigen Ereignisse.

Wir haben unser Ortsausgangsschild noch nicht einmal passiert, da fällt bereits das erste Mal der Ausspruch: "Eigentlich wollte ich ja mit dem Auto...". Da lache ich noch und treibe sie zur Weiterfahrt an. Zugestehen muss ich ihr, dass sie sportlich und zäh ist. Sie schafft es über eine Autobahnbrücke, drei mittlere Anstiege im Wald und in Summe immerhin 7 Kilometer. Zwischendurch halten wir gefühlte 1000 Male an. 1001 Mal kommt von ihr "Ich kann nicht mehr.". Komischerweise reicht die Energie aber für Schlangenlinien fahren und Geschnatter auf dem Rad. 1002 Mal sage ich "Noch bis da hinten". Und dann ist aber endgültig aus die Maus. Im nächsten Dorf steht eine Bank, auf der sitzt sie nun und hält nach dem Papa Ausschau. Den habe ich nämlich angerufen und den Radzurückholservice bestellt.

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Ab jetzt wieder Beifahrer

Und nun beginnt die echte (Tor)Tour für mich. Mit ca. 20 Kilogramm mehr auf dem Rücksitz darf es nun munter weiter gehen. Sie will ja schließlich auch endlich mal bei der Oma ankommen.

"Fahr doch mal schneller Mama. Richtig schnell!"

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Dann Stille, verdächtige Stille! Was abzusehen war - das Kind ist eingeschlafen. Klar, Radfahren schlaucht ganz schön. Und so habe ich kurz Zeit, die Tour zu genießen. Denn nichts geht über Radfahren bei schönem Wetter und Stille. Da fallen die zusätzlichen Kilos fast gar nicht mehr auf und das Ziel rückt immer näher. Kurz vor diesem erwacht mein Dornröschen und fragt, wann wir endlich da sind. Ein Eis steht ja auch noch auf dem Plan und da darf ich nicht trödeln, sonst macht die Eisdiele zu.

Aber wir schaffen es rechtzeitig. Ein Blick auf die Uhr verrät mir: Wir waren ungefähr doppelt solange unterwegs, wie ich sonst allein für die Strecke brauche. Na, das ist doch ganz passabel. Ich hatte schlimmeres befürchtet.

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Unsere Belohnung wartet

Die Oma empfängt uns dann auch feierlich und mit einem leichten Grinsen im Gesicht. Und da mein zukünftiger Radfahrweltmeister einiges geleistet hat, aber jetzt gut ausgeruht ist, kann es direkt weiter zu Fuß in die Stadt und zum Eisdealer des Vertrauens gehen. Das Kind kann rennen, man glaubt es kaum. Das Eis schmeckt mir allerdings besser als ihr. Worans liegt...?

Heading home again

Nach einem kurzen Abstecher zu einem der vielen Spielplätze dieser Welt, kann dann ein entspannter Abend mit der Aussicht auf eine noch entspanntere Rücktour am nächsten Tag beginnen. Welche, was ich hier noch kurz einfügen möchte, nicht in aller Ruhe irgendwann zwischen Frühstück und Gänsebraten startet. Sondern bereits um 8 Uhr morgens. Das Kind ist eigentlich schon um 6 ausgeschlafen und abfahrbereit, aber ich gönne mir noch zweimal Augenzumachen und Zähneputzen. Und jetzt aber auf und davon...

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Wann immer die Straße ruft...

Dein Querk(n)opf samt Beifahrerin!